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Das Untersuchungsgebiet: die Doro !nawas Berge

Geographie

Das IKAi Untersuchungsgebiet liegt schon wenige Kilometer von der Weltkulturerbe-Stätte /Ui-//aes (Twyfelfontein) entfernt, zu der es jährlich mehrere zehntausend Besucher zieht, den Doro !nawas-Bergen (südliche Kunene-Region, Namibia (siehe Karte). Dieses Gebiet eignet sich besonders gut für die angestrebte Forschung: Es ist offen, gut konturiert, besonders wildreich, unbewohnt, verfügt über eine Reihe permanenter Wasserlöcher und wird seit Jahrzehnten nicht mehr wirtschaftlich genutzt. Aber Hunderte Plätze mit Felsgravuren zeigen, dass das Gebiet in der Vorgeschichte ökonomisch genutzt worden sein muss[1][2]. Heute jedoch wird das Doro !nawas Gebirge von der lokalen Bevölkerung als Erholungsgebiet für Tiere angesehen.

Geographisch liegt das Untersuchungsgebiet innerhalb der Namib-Wüste. Aufgrund der geringen Niederschläge (ca. 50 mm Jahresmittel) ist die Vegetation eher spärlich. Tatsächlich sind die Niederschläge in der Namib-Wüste außerordentlich punktuell[3]. In der Folge fiel zwischen 2014 und 2020 im Untersuchungsgebiet fast kein nennenswerter Regen (pers. Mitt. von Mitarbeitern des Damara Living Museum in Twyfelfontein, März 2020). Aber auch in Jahren ohne Niederschläge wie in 2019 (nur 5 mm Regen in De Riet) ist die Region reich an Grosswild. Während der Feldforschung im September 2019 wurden Springböcke, Oryx (Oryx), Giraffen, Strausse und Zebras beobachtet, während an mehreren Orten frische Spuren von Löwen, Leoparden und Hyänen zu sehen waren. Im trockenen Huab-Fluss - dem nördlichen Rand des Stuey-Gebiets - wurden ebenfalls Elefanten gesehen und Spuren von Nashörnern gefunden. Aufgrund dieser sehr aktiven, aussergewöhnlichen Tierwelt gibt es in dieser Region NGO-Projekte zur Betreuung von Nashörnern, Wüstenelefanten und Wüstenlöwen (savetherhinotrust.org; desertelephant.org; desertlion.info).

Verwaltet werden die Doro !nawas Berge von drei Conservancies, deren Grenzen sich im Untersuchungsgebiet treffen: die Doro !nawas Conservancy, die /Uibasen Conservancy die Torra Conservancy.

Bildergalerie: Das Untersuchtungsgebiet

    

Das Untersuchungsgebiet: die Doro !nawas Berge, Namib-Wüste (Kunene-Region), westliches Zentralnamibia.

Archäologie

Mehr als 250 Felskunststätten wurden im Untersuchungsgebiet in den letzten Jahren im Rahmen eines Forschungsprojektes der Goethe Universität Frankfur identifiziert und archäologisch dokumentiert[1]. Diese Plätze markieren zweifellos Fixpunkte der Landschaftsnutzung von Jäger-Sammler über Jahrtausende in der nahen Urgeschichte. Bisher bleibt jedoch offen, wie sich die konkreten Bewegungsmuster und Wege zwischen diesen Fixpunkten manifestierten.

Auch wenn die Felskunst nicht als eine 1:1-Aufnahme der tatsächlichen Umweltbedingungen zu verstehen ist, so besitzt die Kunst doch ein hohes Maß an "ökologischer Glaubwürdigkeit"[4][5], und die sachkundige Wiedergabe von Details über Tiere und ihr Verhalten zeigt das profunde Wissen und die Vertrautheit, die die Künstler mit diesen Tieren hatten. Diese Tatsachen weisen weiter auf die Relevanz der archäologischen Stätten für die Mobilität von Jägern und Sammlern hin.

Bildergalerie: Archäologie

Lokale Flurnamen

Da die Doro !nawas Berge nicht ökonomisch genutzt werden sind heute nur noch wenige Namen der Landschaftselemente bekannt – auch und gerade in der lokalen Bevölkerung. Für die archäologische Bearbeitung entsteht dadurch ein Dilemma: Felskunst ist stets mit auffälligen Landschaftselementen verbunden, die benennen zu können in einer Lagebeschreibung sehr nützlich sind. Aufgrund fehlender Namen der topographischen Merkmale wie Berge und Täler sind Bezüge zur Landschaft oder von Fundstellen untereinander nur sehr umständlich herzustellen.

Vor diesem Hintergrund verfolgt IKAi auf einem Nebengleis und in enger Abstimmung bzw. unter Anleitung der örtlichen Conservancies (Gemeindekörperschaften) ein Projekt, in dem markante Landschaftselemente in deren Nähe sich archäologische Stätten befinden, mit lokalen Namen versehen werden, ehe die hilfsweise von Archäologen oder europäisch-stämmigen Abenteurern vergebene Namen Eingang in Kartierungen finden.

Lokale Jagdtradition

Das Doro !nawas-Gebirge und seine Umgebung ist die Heimat der Damara. Heute ist es den Damara nicht mehr erlaubt, in ihrer Heimatregion zu jagen. Das Wissen um viele Jagdtechniken ist zwar noch vorhanden, aber die jüngeren Generationen haben keine direkte Jagderfahrung mehr. Daher mussten für dieses Forschungsprojekt erfahrene Jäger aus anderen Kulturkreisen gesucht werden (siehe Das Team). Glücklicherweise ist die traditionelle Jagd im Gebiet der Nyae Nyae immer noch erlaubt. Nyae Nyae ist das Heimatgebiet der Ju/'hoan San, und obwohl auch hier die traditionellen Jagdtechniken rasch verblassen, sind hier einige der erfahrensten Fährtensucher und traditionellen Jäger zu finden. Einige dieser Ju/'hoan Fährtensucher sind äußerst geschickt und gehören – laut des führenden Fährtensucher-Zertifizierer Louis Liebenberg – zu den Top-Experten einer kleinen Gruppe von Fachleuten weltweit.

Um auch Techniken und Erfahrungen anderer Kulturgruppen zu erlangen, nehmen auch erfahrene Fährtenleser an diesem Projekt teil, die Fährtenlesekenntnisse in ihrer Jugend erlernt haben, als die traditionelle Jagd noch erlaubt war, z.B. bei einigen Hai//kom San.

Da die Heimatgebiete der Ju/'hoan !Kung San (Nyae Nyae, ca. 800 km östlich der Doro !nawas, an der Grenze zu Botswana) und Hai//om San (Etosha, ca. 400 km nordöstlich der Doro !nawas) sich von den Doro ! nawas in Landschaft, Vegetation und Topographie, die Verfolgung der Bewegungen und Entscheidungen der einheimischen Fährtensucher eröffnet auch eine seltene Gelegenheit zu dokumentieren, wie sie sich an eine fremde Landschaft gewöhnen.

 

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Literatur
  1. Breunig, P., Behringer, J., Fels, M., Maidhof, J., 2019. West of the best: rock art and archaeological discoveries in the Doro !Nawas region of northwest Namibia. Acta Archaeologica 89, 174–192. DOI: 10.1111/j.1600-0390.2018.12199.x

  2. Richter, J., 2002. The Giraffe People: Namibia’s Prehistoric Artists, in: Jennerstraße-8 (Ed.), Tides of the Desert -- Gezeiten Der Wüste, Africa Praehistorica. Heinrich-Barth-Institut, Köln, pp. 523–534.

  3. Lutz, K., Jacobeit, J., Rathmann, J., 2015. Atlantic warm and cold water events and impact on African west coast precipitation. International Journal of Climatology 35, 128–141. DOI: 10.1002/joc.3969

  4. Butzer, Karl W. 1989. Rock Art in the Vaal-Orange River Basin: An Overview, in: Fock, G.J. & Fock, D. (eds.) Felsbilder in Südafrika, Teil III, Die Felsbilder im Vaal-Oranje-Becken. Böhlau Verlag; Köln, pp 137–156.

  5. Lenssen-Erz, T., 1997. Metaphors of intactness of environment in Namibian rock paintings, in: Faulstich, P. (Ed.), Rock Art as Visual Ecology. American Rock Art Research Association, Tucson, Arizona, pp. 43–54.